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Pflege ist Beziehung

Eine berufliche Neuorientierung stand an – geführt hat ihn sein Berufsweg über zahlreiche Umwege ins Alters-und Pflegeheim Grünhalde. Seit fünf Jahren ist Stefan Weber nun Leiter Pflege und Betreuung. Im Gespräch erzählt er von der «WG der besonderen Art» und welche sozialpädagogischen Ansätze dahinterstecken.

Sie selber bezeichnen die Wohngruppe für Menschen mit Demenz lieber als «Wohngruppe für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen» – woher stammt diese Bezeichnung?

Ich verwende bewusst nicht den Begriff «Demenz», sondern spreche in diesem Zusammenhang von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Viele stören sich am Demenz-Begriff, da er eine Diagnose darstellt. Bei einer kognitiven Beeinträchtigung wird im Gegen- satz dazu ein Milieu beschrieben; in der Grünhalde legen wir einen klaren Fokus auf die Milieugestaltung dieser Wohngruppe. Wenn es um die Zuteilung von Neuzugängen geht, stelle ich mir die Frage, wer dieses Milieu braucht.

Wann kommt jemand in diese Wohngruppe? Sobald die Diagnose «Demenz» gefällt wird?

Eine Demenzdiagnose braucht es nicht für die Zuweisung in diese Wohngruppe. Ich habe vorhin von einem Milieu gesprochen; viel zentraler für die Einteilung ist also das Verhalten dieser Person im Alltag. Die «Etikette» Demenz interessiert nur die Ärzte, hilft uns im Pflegealltag aber nichts. Es geht bei uns viel mehr um Ressourcen und Fähigkeiten: Was ist noch möglich, was geht noch? «Pflegen» heisst nicht nur funktionale Pflege – Pflege bedeutet Beziehungspflege. Pflege ist Beziehung, die auch funktional entstehen kann; das darf man nie vergessen. Ich als Person pflege nicht nur mit meinem Fachwissen, sondern auch mit meinem Charakter und meiner Empathie.

Was zeichnet dieses spezielle Milieu aus?

Ich sehe die Grünhalde als offenes Haus, und dennoch ist die Wohngruppe für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen momentan eine geschlossene Abteilung, sogar der Garten ist so konzipiert – auch deshalb, weil gewisse Bewohnerinnen und Bewohner gefährdet sind, wegzulaufen. Es ist aber mein Bestreben, die Abteilung punktuell öffnen zu können.

Welche weiteren Unterschiede gibt es zu anderen Abteilungen?

Die Wohngruppe gleicht im Grunde genommen einer «Insel» inmitten der Grünhalde: Sie ist persönlicher, überschaubarer, selbstverständlich aber auch betreuungsintensiver. Es ist eine «eingeschworene» Gruppe, die wie in einer grossen WG lebt. Das ist natürlich der übersichtlichen Grösse geschuldet; im Gegensatz zu anderen Abteilungen, wo bis zu 31 Bewohnerinnen und Bewohner eingeteilt sind, sind es in der Wohngruppe «nur» neun Personen und jeweils zwei Tagesgäste.

Was hat es mit den Tagesgästen auf sich?

Die Angehörigen können Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen hier tageweise fremdbetreuen assen, was ihrer Entlastung zugute kommen soll. Oft ist dies auch der erste Schritt Richtung Heim- eintritt. In diesem Moment kann sich die Person noch orientieren und das Umfeld in einen Kontext setzen. Mit zunehmendem Krankheitsverlauf wird das immer schwieriger und die Akzeptanz für die neue Umgebung sinkt.

Apropos Angehörige: Welche Rolle spielen Bezugspersonen?

Die Angehörigen sind ganz klare Schlüsselpersonen. Oft ist bei einer Einweisung oder einer Verlegung auch das Umfeld verunsichert: Was passiert nun? Ein Mensch mit kognitiven Beeinträchtigungen verändert sich laufend, deshalb ist es wichtig, die Angehörigen konstant zu informieren; dieser Aus- tausch muss sichergestellt sein.

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Stefan Weber

Leitung Pflege & Betreuung

Erreichbarkeit: montags, dienstags, donnerstags, freitags